Neubau Staatsarchiv 1

Neubau Staatsarchiv Kitzingen

Archivgebäude sind verkörperte Zeit. Sie bewahren Zeugnisse der Vergangenheit für uns heute - und Dokumente unserer Zeit für die Nachwelt. Dies bringt der Neubau für die Staatlichen Archive Bayerns in Kitzungen durch eine Architektursprache zum Ausdruck, die Beständigkeit und Sicherheit verkörpert. Gleichzeitig sollen Archive "leben". Sie müssen den Zugang zur gespeicherten Information ermöglichen. Dafür stellt der Entwurf einen reibungslosen Ablauf vom Erwerb über die Bewertung, Erschließung und Bewahrung bis zur Bereitstellung der Archivalien sicher und präsentiert sich gleichzeitig als selbstbewusstes öffentliches Gebäude.

Staatsarchiv

Die Potenziale des seit langem brachliegenden Deusterareals liegen in seiner Nähe zur Stadt und gleichzeitig in seiner exponierten landschaftlichen Lage. Dieser landschaftliche Charakter wird als Landschaftspark interpretiert und durch landschaftsarchitektonische Elemente - Promenade, Terrasse, Hof, Wiese, Wege - gegliedert. Große Teile des Archives - insbesondere der Magazine - werden zweigeschossig in den Hang hineingeschoben und bilden ein terrassenartiges Plateau. Dieses ist von Westen ebenerdig zu begehen und tritt nach Osten als eingeschossiges Sockelgeschoss in Erscheinung. Auf diesem Sockel wird ein prägnanter viergeschossiger solitärer Baukörper positioniert, der den Archivneubau für die Staatlichen Archive Bayerns weithin sichtbar und selbstbewusst verkörpert. Gleichzeitig orientiert er sich an der Größe der benachbarten Bebauung und fügt sich harmonisch in die städtebauliche Gestalt des Orts- und Landschaftsbildes ein. Die Stadtsilhouette von Kitzingen wird durch den Neubaukubus um einen neuen Baustein bereichert, der durch seine hochwertige Gestaltung eine würdige Ergänzung zur historischen Bausubstanz darstellt. Darüber hinaus verweisen die selbstbewusste Haltung und stolze Präsenz auf die überörtliche Bedeutung des Staatlichen Archives.

Freiraum

Der klaren Architektur werden im Freiraum weiche Landschaftsformen gegenübergesetzt. Großzügige Wiesenflächen machen die Situation des Gebäudes am Hang sichtbar. Ergänzt wird dies durch die historische Gartenanlage welche mit den vorhandenen Mauern und gestalteten Flächen die Wiesenlandschaft fasst und einen Abschluss bzw. Auftakt bildet. Parkwege schlängeln sich durch die Wiese und bieten abwechslungsreiche Perspektivwechsel. Sichtbezüge auf den Main und die Altstadt werden entwickelt oder freigestellt. Die Archivpromenade bildet den urbanen Bereich der Freianlagen und bezieht sich auf den Neubau. Der Schulgarten wird im Süden des Deuster Parks verortet und barrierefrei erschlossen. Zwei Spielplätze ergänzen das Angebot für Kinder und werden jeweils leicht in die Hangsituation eingebettet. Die Rundwege bieten neben schönen Blicken auch die Funktion als Fitness Trail. Naturnahe Elemente animieren zu Fitnessübungen im Freien (Nordpark). Aufenthaltsbereiche mit Sitzbänken laden zum Verweilen ein. Der Parkplatz mit 71 Stellplätzen (davon 3 Behindertenstellplätze) fügt sich oberhalb des Neubaus im Osten des Deuster Parks in die Landschaft ein. Eine fußläufige Anbindung an die Altstadt wird mit einer Brücke über die Hohlgasse etabliert.

Architektur

Die gewaltige Baumasse des Neubaus wird differenziert gegliedert. Im Untergeschoss werden in maximal rationeller Anordnung ausschließlich Magazinbereiche für Akten untergebracht. Das Sockelgeschoss bildet nicht nur baukörperlich die Basis des Archives, es enthält auch alle nichtöffentlichen Nutzungen die für den Betrieb des Archives fundamental sind: Technikzentralen, Anlieferung, Lager, Werkstätten, Büros und die intern genutzte Amtsbibliothek. Alle Räume mit Tageslichtbedarf erhalten natürliches Licht über den Innenhof bzw. über die östliche Sockelfassade - mit Ausblick und landschaftlichem Bezug. Über dem Sockelgeschoss öffnet sich der Neubaukubus erdgeschossig mit seiner allseitig transparenten Fassade und signalisiert Besuchern und Passanten, dass hier (und nur hier) öffentliche Nutzungen untergebracht sind: Foyer, Vortragsraum, Ausstellung und Lesebereich. Von deren Platzbedarf leitet sich die Grundfläche und gesamte Geometrie des Neubaus ab. Die drei Obergeschosse enthalten weitere Magazine und Technik hinter der umlaufend hermetischen Fassade. Durch die Anordnung von Magazinen ober- und unterhalb des öffentlichen Erdgeschosses wird dieses entsprechend seiner Bedeutung auch geometrisch zum Zentrum - zum "Herz" - der Anlage.

Auslober
Freistaat Bayern, Staatliches Bauamt Würzburg
Wettbewerbsart
Planungswettbewerb
Bearbeitungszeit
2019
Würdigung
Anerkennung
In Zusammenarbeit
Scheidt Kasprusch Architekten