Kohlenbunkerensemble in Gelsenkirchen 1

Kohlenbunkerensemble in Gelsenkirchen Gelsenkirchen

Grüne Aussichten in Gelsenkirchen

Wie wollen wir morgen leben? Die Antwort im Rahmen des IGA Konzeptes am Standort Gelsenkirchen lautet nachhaltig, vernetzt, gemeinschaftlich. Der Entwurf für das Kohlenbunkerensemble ist dafür konzipiert, diese Antwort weithin erkennbar zu machen und auch über den Rahmen der IGA hinaus als Beispiel einer gelungenen Nachnutzung des industriellen Erbes weiterzuwirken. Das sichtbarste Zeichen dieser Revitalisierung ist der Greentower, der aus dem historischen Bestand des Kohlenbunkers und der daran anschließenden Erschließungsskulptur besteht. Zusammen bilden sie eine neue städtebauliche Figur, die sich durch die Überhöhung des Ergänzungsbaus sowie dessen dichter Begrünung bis in das oberste Geschoss in die ikonenhaften Silhouetten der bestehenden Hochpunkte im Ruhrgebiet einreiht, aber eindeutig das zukunftsweisende Konzept der urbanen Nachhaltigkeit ablesbar macht. Über diese städteübergreifenden Sichtachsen erfolgt eine visuelle Vernetzung, die das einzigartige industrielle Erbe des Ruhrgebiets miteinander verbindet.

Das Thema der nachhaltigen Vernetzung kommt darüber hinaus auch durch die Revitalisierung des Kohlenbunkers als nachhaltiger Energiespeicher zum Tragen. Im Sinne seiner ursprünglichen Funktion als Speicher - vormals von fossilen Energieträgern - werden sechs der acht bestehenden Trichter zur Speicherung von nachhaltig erzeugter Energie in Salzwasserbatterien umgewandelt. Diese verfügen über die Kapazität, bis zu 16.000 Haushalte mit Strom zu versorgen, wodurch der Kohlenbunker auch abseits seines historischen Wertes eine überaus relevante Aufgabe in der Energiewände übernimmt und beispielhaft für eine klimagerechte Nachnutzung industrieller Großbauten steht. Die beiden verbleibenden Trichter dienen als Regenwasserdepot, das sowohl der Versorgung der Sanitäreinrichtungen im Kohlenbunker als auch der Bewässerung der Begrünung des Greentowers und seiner Umgebung dient. Hierfür wird das Niederschlagswasser über Retentions-dächer aufgefangen und gefiltert. Als Wasserspeicher mit einem Volumen von 1.000m³ erfüllt der Kohlenbunker damit eine weitere wichtige Funktion zur Vorbeugung von Wasserknappheit als unmittelbare Folge des Klimawandels und stellt die nachhaltige Bewirtschaftung des Kohlenbunkerensembles sicher.

Insgesamt entsteht so ein wichtiges infrastrukturelles Versorgungszentrum zur Stärkung der regionalen Resilienz, dass durch die Umnutzung der Kohlenwäsche zu einem Produktionsstandort von nachhaltig erzeugten Nahrungsmitteln ergänzt wird. Dafür kommt das Kreislaufsystem der Aquaponik zur Anwendung, dass Pflanzenzucht und Fischzucht miteinander verbindet und so im Ruhrgebiet ein Angebot an regional produzierten, frischen Lebensmitteln mit kurzen Transportwegen direkt vom Erzeuger schafft. Sowohl die Räume der Kohlenwäsche als auch der Kohlenbunker werden dabei über die Abwärme der Salzbatterien konditioniert, wodurch der Energieverbrauch auf ein Minimum begrenzt wird.

Die Bandbrücke wird als Verbindungselement zwischen der Kohlenwäsche und dem Kohlenbunker wiederbelebt und steht den Besuchern der IGA offen. Sie ist integraler Bestandteil des Ensembles und verfügt über neu geschaffene Öffnungen in den Wänden und dem Dach, wodurch gezielt Ausblicke auf die Kohlenwäsche und den Kohlenbunker, sowie in die nähere Umgebung (z.B. zum Nordsternturm) inszeniert werden.

Als Gesamtheit zeigt das Kohlenbunkerensemble einen Weg auf, wie durch die Verknüpfung von aufeinander abgestimmten Nutzungen und Technologien eine nachhaltige Bewirtschaftung der Gebäude sowohl während und nach der IGA möglich ist.

Auslober
Stadt Gelsenkirchen, die Oberbürgermeisterin
Wettbewerbsart
Hochbaulicher-Freiraumplanerischer Wettbewerb nach RPW 2013
Bearbeitungszeit
2022
Würdigung
2. Preis
In Zusammenarbeit
SEHW Architektur GmbH