Freiraumkonzept Wohngebiet Hans-Beimler-Ring; Artur-Becker- und Heinrich-Rau-Straße 1

Freiraumkonzept Wohngebiet Hans-Beimler-Ring; Artur-Becker- und Heinrich-Rau-Straße Strausberg

In Gemeinschaft individuell wohnen

Zonierung der Außenräume

Wohngebiete wie die Siedlung am Hans-Beimler-Ring wurden in den 1960er Jahren in Massenproduktion gebaut. Sie alle folgten den Gestaltungsgrundsätzen dieser Zeit: Fertigbauweise, Funktionstrennung, Licht und Luft, große Freiräume und fußläufig erreichbarer öffentlicher Nahverkehr, sowie direkt benachbarte Nahversorgung.

Die Schwächen dieser Gestaltung sind bekannt: Untergestaltete und eintönige Freiräume, die zu groß sind, um von den Bewohnern und Bewohnerinnen in Besitz genommen zu werden. Den Wohnräumen wiederum fehlt es an Großzügigkeit und Flexibilität. Weniger bewusst sind die Stärken der Gestaltung dieser Epoche: Die kompakte und kostengünstige Bauweise, die großzügigen Grünräume und Gemeinschaftsflächen, sowie eine nachgeordnete innere Erschließung durch das Auto. Genau diese Vorzüge sind aktueller denn je.

Um die vorhandenen Stärken des Wohngebiets Hans-Beimler-Ring zukunftsfähig und nachhaltig herauszuarbeiten, erfolgt eine Neustrukturierung des Außenraums. Die im Bestand unstrukturierten und indifferenten "Rest-Außenräume" werden, dem menschlichen Maßstab entsprechend, in kleinere, charakterstarke Freiräume unterteilt. Mehre kleine Freiräume erzeugen mehr Nutzungsmöglichkeiten für die individuellen Bedürfnisse der Bewohnerschaft. Zugleich sind klar definierte Freiräume leichter erfahrbar und dienen einer besseren Orientierung im Wohngebiet.

Neben der Neustrukturierung sollen die Gemeinschaftsflächen besser angenommen, bespielt und liebgewonnen werden. Dazu bedarf es seitens der Wohnungsverwaltung die Bereitschaft den Nutzerinnen und Nutzern Verantwortung zu übertragen. Dies kann geschehen, indem klar benannte Personen oder Gruppen Verantwortung für bestimmte Teilbereiche oder Nutzungen übernehmen und so das Bindeglied zwischen der Hausgemeinschaft und der Wohnungsverwaltung bilden. So kann z.B. das Gemüsebeet einer Hausgemeinschaft von der passionierten Gärtner-Familie mit grünem Daumen betreut werden und das Gewächs- und Nachbarschaftshaus vom geselligen Senioren-Treff, der gerne Veranstaltungen organisiert. Solch eine aktive Nutzung zu fördern, verhindert zugleich Vandalismus und Verwahrlosung und schafft Identität und Gemeinsinn.

Bestehendes Mobilitätskonzept optimieren

Die Minimierung des fahrenden und ruhenden Autoverkehrs in den Innenhöfen ist zeitgemäß und sollte erhalten werden. Dem gegenüber steht der Nachweis von 255 Stellplätzen nach Stellplatzsatzung. Diese Stellplatzsatzung in Beton zu gießen und ein Parkhaus zu bauen, wäre die schlechteste Lösung. Wir schlagen vor, den vorhandenen Parkplatz in zeitgemäßer Form mit Baumneupflanzungen und Rasenfugenpflaster umzubauen und aus dem Hans-Beimler-Ring eine verkehrsberuhigte Einbahnstraße zu machen. Die Fahrspur der Einbahnstraße wird verschmälert und an den Ring ein flexibles Infrastrukturband aus Rasenfugenpflaster addiert. Dieses fasst ausreichend PKW-Stellplätze ohne zusätzliche Flächen neu zu versiegeln. Dieses Band kann darüber hinaus weitere Funktionen aufnehmen, wie Stellplätze für Lastenräder, E-Bikes, Rollatoren- und / oder Kinderwagenboxen. Perspektivisch sollte die Umnutzung des Stellplatz-Bandes gefördert werden, um Platz für neue Nutzungen, wie für Spiel, Sport oder Hobbie zu generieren.

Im Wohngebiet Hans-Beimler-Ring kann zudem ein für Strausberg zukunftweisendes Angebot für E-Car-Sharing geschaffen werden. Zur Versorgung der E-Autos mit grünem Strom kann eine Photovoltaikanlage auf den vorhandenen Dächern dienen.

Die Verbindungen für Fuß- und Radverkehr durch den angrenzenden Bürgerpark sowie die Verlängerung der Heinrich-Rau-Straße ermöglichen schon jetzt eine nahezu autofreie Verbindung zum ÖPNV und zur Strausberger Altstadt. Lohnenswert wäre die Abstimmung eines zweiten Zugangs zum S-Bahnhof mit der DB. Ein neuer, barrierefreier Zugang am südlichen Ende des Bahnsteigs würde den Fußweg durch den Bürgerpark zum S-Bahnhof aus dem Wohngebiet halbieren und den zum Straussee um einen halben Kilometer verkürzen. Würde man zudem das Potenzial des Bürgerparks aktivieren, könnte dieser nicht nur für die Bewohnerinnen und Bewohner östlich der S-Bahn ein attraktiver Grünraum sein, sondern ein Anziehungspunkt für alle Strausberger.

Programmierung der Außenräume

In den folgenden Jahren steht ein Wechsel der Bewohnerschaft im Wohngebiet Hans-Beimler-Ring an. Es kommt jetzt darauf an, richtungsweisende Entscheidungen für diesen Wechsel zu treffen. Eine solche Entscheidung könnte sein, attraktive Angebote für Jung und Alt, also für rüstige Senioren wie auch für junge Familien zu schaffen.

Dies kann durch die Gestaltung der Innenhöfe als Räume generationsübergreifender Gemeinschaft geschehen. Die Innenhöfe und die dazugehörigen Gebäude haben die zusätzliche Aufgabe, Gemeinschaft zu erzeugen und zu stärken. Im nördlichen Innenhof erledigt dies ein multifunktionales Gartenhaus, das als Gewächshaus, Werkstatt oder Nachbarschafts-Treff dienen kann. Daran angelagert ist eine großzügige Terrasse sowie Gemeinschaftsbeete. Hier können Spieleabende veranstaltet, Geburtstage gefeiert und Gemüse und Blumen geerntet werden. Im südlichen Hof sind weitere Flächen für Gemeinschaftsbeete vorgesehen. Auch die Grünflächen an den Gebäudezugängen können in Eigeninitiative durch Anwohnende gepflegt und gehegt werden. Die breiten Eingangsbereiche an den Hauszugängen werden um Radstellplätze und je eine Sitzbank ergänzt. Hier trifft man sich auf einen Schwatz unter Nachbarn oder eine Feierabend-Brause.

Am nördlichen Zugang des Wohngebietes entsteht in direkter Nachbarschaft von Kindergarten und Bürgerpark ein Kleinkindspielplatz. Hier können sich nach Kita-Schluss Eltern und junge Familien aus dem Quartier treffen und den Ausblick über den grünen Bürgerpark genießen. Am südlichen Zugang an der Ecke Kirschallee / Heinrich-Rau-Straße können Jugendliche im neuen Boulder-Eck beim Klettern, Bouldern und Turnen ihre Kräfte messen und Grenzen testen ohne sich von den Nachbarn und Eltern beobachtet zu fühlen oder diese zu stören. Die Spielbereiche in den Innenhöfen haben einen privateren Charakter und bieten hauptsächlich Angebote für Kinder im Vor- und Grundschulalter. Sie sind von den Gebäuden einsehbar und ermöglichen es den Eltern, während die Kinder im Hof spielen, Zeit für sich oder mit der Hausgemeinschaft zu haben. Neben den Spielplätzen im Hof liegen sonnige und schattige Rasenflächen, die als Picknickwiese, Ballspielfläche oder Liegefläche dienen. Baumgruppen aus verschiedenen Blütenbäumen ergänzen die vorhandenen Bäume in den Höfen. Sie spenden Schatten, schaffen Identität und bieten Platz für Hängematten. Je nach Innenhof bestimmt eine Baumart den Charakter: Weißblühende Zier-Äpfel im nördlichen Hof, rotblättrige Blut-Pflaumen im südlichen Hof und rosablühende Zier-Kirschen an den Gärten.

Neue private Gärtenflächen erhöhen die Attraktivität der Erdgeschosswohnungen in den Gebäuden mit Ost-West Ausrichtung. Zum Nachbargarten durch eine niedrige Hecke abgegrenzt, verzahnen sich die Gärten mit den Höfen durch ihren Flächenversatz und die Reihe blühender Bäume. Hier können Kleinkinder geschützt spielen, sich Hobbygärtner ausleben und gemeinsame Grillabende mit Sonnenuntergang in den westlich ausgerichteten Gärten genossen werden.

An den Rändern des Wohngebietes können die baum- und strauchbestandenen Grünflächen zugleich Naturerfahrungs- und Rückzugsraum für Kinder und Jugendliche sein. Darüber hinaus bieten die im Westen angrenzenden Garagen ein wertvolles Potenzial für Zwischennutzungen. Ein preiswertes, temporäres Vermieten dieser Garagen könnte zusätzliche Einnahmen generieren und Räume schaffen für temporäres Home-Office, eine Pop-up-Sauna, eine kleine Zweirad-Werkstatt oder eine große Modelleisenbahn.

Option Loggia

Um die Innenhöfe zusätzlich zu stärken und die Gebäude in Nord-Süd-Ausrichtung aufzuwerten schlagen wir als Option eine vorgesetzte Loggia vor. Durch den Bau dieses Moduls kann mit nur einem Aufzug das gesamte Gebäude barrierefreie erschlossen werden. An der Südseite der Gebäude entsteht so ein zusammenhängender Gemeinschaftsraum, der die einzelnen Etagen eines Hauses zusammenbringt und die Balkonflächen erweitert. Kinder können auf dem großen Gemeinschaftsbalkon mit ihren Freunden von nebenan spielen. Eine Rankpflanzung an der klar gegliederten Loggia schirmt Sonneneinstrahlung ab und gibt den Gebäuden ein grünes Gesicht und eine belebte Fassade. Je nach Ausformulierung des Systems ließe sich auch eine thermische Pufferfunktion ermöglichen, die sowohl für die heißen als auch für die kalten Monate im Jahr enormen Mehrwert und Einsparpotenziale bieten würde.

Auslober
Stadt Strausberg
Wettbewerbsart
Werkstattverfahren
Bearbeitungszeit
2020
Würdigung
Engere Wahl