Neubau eines Bürodienstgebäudes in Alt-Friedrichsfelde 60 1

Neubau eines Bürodienstgebäudes in Alt-Friedrichsfelde 60 Berlin Lichtenberg

Der winkelförmige Baukörper entsteht aus der Verortung des Eingangs an der NO-Ecke des Platzes, dem der 6- geschossige Südflügel eine maximale Fassung verleiht. Der Ostflügel ist höher, um den Eingang zu betonen und eine Dachterrasse anzubinden. Der sich zur Mitte hin aufweitende Baukörper bietet spannungsvolle Innenräume und mehrgeschossige Wintergärten. Unterschiedliche Büroausbaukonzepte sind flexibel umsetzbar.

Städtebau und Baukörper

Der äußerst kompakte Baukörper versiegelt die geringstmögliche Grundstücksfläche. Der Haupteingang des Hauses liegt an der Nordostecke des neuen Platzes, da das Biotop die sonstige Platzfront abdeckt. Hieraus entsteht ein winkelförmiger Baukörper, dessen Gebäudeflügel sich vom Eingang aus nach Süden und Osten erstrecken. Der sechsgeschossige Südflügel verleiht dem Platz eine maximale Fassung. Der Ostflügel ist ein Geschoss höher, so dass die Lage des Haupteingangs in der Platzfront betont wird. Zudem entsteht auf diese Weise im obersten Geschoss eine Dachterrasse für die Mitarbeiter. Ein doppelgeschossiger Rücksprung hebt den Eingangsbereich hervor. Beide Gebäudeflügel weiten sich zum Schwerpunkt des Hauses hin auf, so dass ein spannungsvoller Baukörper entsteht. Der Gebäudewinkel legt sich schützend um den Garten für die Mitarbeiter, dessen freie Seiten nach Süden und Osten zum Tierpark orientiert sind. Die Anlieferung erfolgt von Norden an der Grenze zum Feuerwehrgrundstück in einer geschützten Einstülpung der Fassade.

Innere Organisation

Durch den einladenden Haupteingang betritt man die zum Platz orientierte, doppelgeschossige Eingangshalle an der Schnittstelle der beiden Gebäudeflügel. Von hier aus gelangt man über zwei Aufzüge und eine offene Treppe in die Obergeschosse. Im Süden schließen ein Besprechungsraum und die Lounge für die Mitarbeiter an, die sich auf breiter Front zu einer Terrasse auf der Gartenseite öffnet. Weitere Bereiche für die Mitarbeiter wie Fitnessraum und Familienzimmer runden die Belegung des Südflügels ab. Im Ostflügel liegen Poststelle und Archiv nahe der Anlieferung . Weitere Besprechungsräume grenzen im 1. OG an die Galerie der Eingangshalle an. In der Regel belegen die Abteilungen ganze Geschosse.

Doppelgeschossige, begrünte Wintergärten mit offenen Treppen sind der Geschosslobby an der Platzseite vorgeschaltet. Sie dienen der Rekreation der Mitarbeiter. Im 6. OG steht den Nutzern des Gebäudes eine großzügige, intensiv begrünte Dachterrasse mit weitem Blick über den Tierpark zur Verfügung.

Die sich zum Zentrum des Gebäudes hin zu kommunikativen Zonen aufweitenden Geschossplatten ergeben spannungsvolle innenräumliche Situationen. Die Geschosse sind in drei ca. 400 qm große Einheiten unterteilt. die jeweils über eine eigenen baulichen Rettungsweg verfügen. Diese notwendigen Treppen haben Tageslicht und fungieren zugleich als interne Verbindungstreppen in einem Haus der kurzen Wege.

Der doppelgeschossige Luftraum über der Eingangshalle wird samt der nicht notwendigen Spindeltreppe im Brandfall mittels am Rand der Galerien angeordneter Rauchschürzen abgetrennt. um eine Ausbreitung von Rauch in das angrenzende Geschoss zu verhindern.

Die Nutzflächen können im 1,35m-Raster frei eingeteilt werden. Unterschiedliche Büroausbaukonzepte sind problemlos umsetzbar: Neben konventionellen Zellenbüros , wie Sie z. B. im EG des Nordflügels dargestellt sind, können auch Kombibüros oder mehr in Richtung Großraum gehende Konzeptionen wie Business Club angeboten, bei denen auf der gleichen Fläche mehr Mitarbeiter untergebracht werden. Die lichte Raumhöhe der Büroflächen von durchgängig 3 m in den Etagen über dem EG, das höher ist,trägt dazu bei, dass im Gebäude auch Büros mit mehr als 100 qm dargestellt werden können. Das Gebäude ist dadurch sehr flexibel nutzbar und damit zukunftsfähig. Das Haus ist durchgehend barrierefrei geplant.

Konstruktion und Materialisierung

Das Bürohaus ist oberhalb des Untergeschosses als zeitgemäßer Holz-Hybridbau konzipiert. Ab der Decke über EG kommen Holz­ Beton-Verbunddecken (HBV) mit Holz-Untersicht und integrierter Akustikeinlage zur Erzielung einer ansprechenden Raumakustik zum Einsatz. Auch die Langfeldleuchten werden in die Deckenuntersicht integriert. HBV-Decken können in brandschutztechnischer Hinsicht mit massiven Betondecken gleichgesetzt werden. Der Einbau einer hausinternen Brandmeldeanlage ermöglicht eine Abweichung von der geforderten Kapselung der Decke; somit kann das Holz sichtbar belassen werden.

Das statische Konzept basiert auf ca. 8 Meter weit gespannten HBV-Decken. die auf in die Decken integrierten. punktuell abgestützten Stahlträgern in den Innen- und Außenwänden abgelastet werden. Die in das Ständerwerk integrierten tragenden Querschnitte in den Außenwänden sind aus Holz und stehen alle 1,35 m. Sie erhalten wie die Innenseite der Aussenwand eine Brandschutzbekleidung. Die Betonstützen im Innenbereich stehen frei. Die Treppenhäuser in massiver Betonbauweise übernehmen die Gebäudeaussteifung und erfüllen gleichzeitig alle Anforderungen an den Brandschutz. Falls der Holzbau sich als finanziell nicht darstellbar erweisen sollte, kann das Gebäude natürlich alternativ als konventioneller Stahlbeton-Skelettbau erstellt werden.

Fassade

Die Fassade ist als Elementweise vorgefertigte, hochgedämmte Holzkonstruktion ausgelegt. die mit eingefärbten, plastisch ausgeformten Faserbeton-Fertigteilen verkleidet ist. Sie sind zu einem Flechtwerk aus vor- und zurückspringenden Brüstungsbändern und Stützen gefügt, die ein lebhaftes Spiel aus Licht und Schatten erzeugen. Die Fassadenverkleidung ist dauerhaft und erfordert wenig Unterhalt.

Die Fenster werden als dreifach verglaste Holz-Aluminum­ Elemente ausgeführt. Die Außenschale aus Aluminium ist praktisch wartungsfrei, während das sichtbare Holz auf der Innenseite die übrigen Ausbaumaterialien komplementiert.

Der Fensterflächenanteil wurde so gewählt, dass eine optimale Belichtung der Arbeitsräume gewährleistet ist, durch die geschlossenen Brüstungen jedoch unnötige Energieeinträge vermieden werden. Die Reinigung der durchgängig öffenbaren Fenster erfolgt von innen.

Als Sonnenschutz ist sind raumweise elektromotorisch verstellbare Ausfallarm-Markisoletten vorgesehen. Eine Zentralsteuerung sorgt dafür. dass die Räume bereits in den Morgenstunden gegen Sonnenimmission geschützt werden. Der Sonnenschutz kann durch den Nutzer einzeln übersteuert werden.

Innenausbau

Im Inneren kommen einfache, naturbelassene und strapazierfähige Materialien zum Einsatz. Das Holz der HBV-Decken bleibt ebenso sichtbar wie dasjenige der Fenster und die Rahmen der Holz-Glas ­ Trennwände . Alle übrigen Innenwände sowie die Innenseiten der Außenwände werden weiß gestrichen. Die Böden erhalten Teppich­ ader Linoleumbelag; in der Eingangshalle wird ein Gussasphaltterrazzo verlegt. Es entsteht ein wartungsarmes Gebäude, das im Unterhalt sehr kostengünstig ist.

Brandschutz

Je Geschoss werden Nutzungseinheiten von ca.400qm gebildet.

Die Einheiten verfügen über keine notwendigen Flure. Sie haben jeweils Zugang zu einem unmittelbar zugeordneten Treppenraum mit notwendiger Treppe . Der zweite Rettungsweg führt in die angrenzenden Einheiten mit den dort vorhandenen Treppenräumen.

Gebäudetechnik

Das Bürogebäude wird mechanisch be- und entlüftet. um die gewünschten Behaglichkeitsanforderungen zu erreichen und Wärmerückgewinnung zu ermöglichen. Dennoch soll an möglichst vielen Tagen im Jahr über die durchweg öffenbaren Fenster natürlich gelüftet werden.

In den Büros wird die Zuluft eingeblasen und strömt dann in die Nebenräume ab. Hierdurch wird die Abwärme aus den Büros in die Nebenräume getragen und die Anlagen werden kleiner. Die Zuluft wird im Fußbodenbereich im Kanal geführt.

Durch die Verdrängungslüftung kann die Luftmenge nochmals um ca. 30% gegenüber einer Mischlüftung reduziert werden . Darüber hinaus haben aktuelle Forschungsergebnisse gezeigt, dass diese Lüftungsart optimal Aerosole im Aufenthaltsbereich des Menschen abführt bzw. verdünnt. Die Technikzentralen und Hausanschlussräume befinden sich im Untergeschoss.

Die Leitungsführung erfolgt über Steigeschächte, die horizontale Verteilung im aufgeständerten Fußboden sowie innerhalb der HBV­ Decke IELT).

Fernwärme in Verbindung mit einer Wärmepumpenanlage übernimmt die Wärmeversorgung des Gebäudes. Die Wärmepumpenanlage ist kostengünstig und umweltschonend luftgekühlt und wird mit elektrischer Energie aus einer Photovoltaikanlage (PV) versorgt. Die Effizienz der PV-Anlage ist aufgrund der Sonnenscheindauer im Sommer besonders hoch. Die Wärmepumpenanlage ist daher reversibel, d.h. die Wärmepumpen werden im Sommer auf Kühlbetrieb umgeschaltet.

Die zusätzliche Heizenergie aus den Wärmepumpen mit elektrischer Energie aus der PV-Anlage ist ein wichtiger Schritt zum CO­ neutralen Gebäude und zur Erfüllung des geforderten KFW­ Standards. Reicht die Heizleistung der Wärmepumpen bei extremen Außentemperaturen nicht aus, wird die Fernwärme zugeschaltet. Es ist eine Aufteilung der Heizleistung in 70 % Fernwärme und 30 % WP-Anlage geplant. Hierdurch wird die Versorgungssicherheit bei Ausfall eines Systems oder bei Wartungsarbeiten erhöht. Die Bürobereiche erhalten Bodeninduktionsgeräte, da diese für die Möblierung erhebliche Vorteile bieten. Sollten Bedenken bezüglich Unterflurlösungen bestehen, können auch Überflurkonvektoren eingesetzt werden.

Energie, Nachhaltigkeit

Das Haus ist im Hinblick auf Energie und Nachhaltigkeit auf dem letzten Stand. Der kompakte Baukörper weist eine geringe Hüllfläche und hervorragend belichtete Innenräume auf. Die Konstruktion besteht weitgehend aus nachwachsenden Rohstoffen. Das Gründach über dem 6. OG dient der Regenwasserrückhaltung und der Aufstellung von Solarkollektoren.

Freianlagen

Durch die Lage des Neubaus ergibt sich eine Aufteilung der Freianlagen in zwei Bereiche: Den exponierten, repräsentativen Vorplatz mit Biotopgarten und den geschützten, ruhigen Garten mit Aufenthaltsbereichen . Der befestigte Vorplatz wird durch ein Baumraster gegliedert, unter dem sich Sitzgelegenheiten befinden. Mit der Anordnung von 52 Fahrradstellplätze (davon 8 für Lastenräder) entsteht ein Ort zum Ankommen und Verweilen für die Nutzer des Büroneubaus und der Feuerwache. Das Biotop wird durch einen extensiven Pfad begehbar und erlebbar gemacht. An seiner Ostseite wird ein Aufenthaltskorridor mit Bäumen und Bänken etabliert. Entlang der Zufahrt für die Anlieferung werden weitere 78 überdachte Fahrradstellplätze verortet, wovon 13 Stück mit Ladestationen für E-Bikes ausgestattet sind. Die großzügige Platzaufweitung an der Ostseite des Neubaus dient als Rangierfläche für die Lieferfahrzeuge und kann gleichzeitig als Veranstaltungsort im Freien genutzt werden.

Im geschützten Gartenbereich spannt sich zwischen den Gebäudeflügeln ein Geflecht mit repräsentativen Pflanzungen und Aufenthaltsbereichen auf. Die vier Pflanzflächen repräsentieren die vier Jahreszeiten. Sie sind im Garten unmittelbar und aus den oberen Stockwerken visuell erfahrbar und bieten das ganze Jahr über attraktive Blickpunkte. Durch Baumneupflanzungen und Sonnensegel ergeben sich schattige und sonnige Pausenbereiche, die mit Podesten ausgestattet sind. Die großzügige Wiese mit Bäumen und Sträuchern in den Randbereichen bildet den grünen Übergang zum Tierpark.

Die Entwässerung des Neubaus sowie der befestigten Flächen erfolgt über die angrenzenden Vegetationsflächen. Sämtliche Freiflächen sind barrierefrei zu erreichen. Der Vorplatz wird zudem punktuell beleuchtet.

Auslober
Land Berlin, Bezirksamt Lichtenberg
Wettbewerbsart
offener, zweiphasiger Realisierungswettbewerb
Bearbeitungszeit
2021
Würdigung
Anerkennung